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Herman Nohl
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Herman Nohl (* 7. Oktober 1879 in Berlin; â 27. September 1960 in Göttingen) war ein deutscher Philosoph und PĂ€dagoge.
Einen maĂgeblichen Wendepunkt im Leben von Herman Nohl stellte der Erste Weltkrieg dar. Die Konsequenzen aus dem Krieg sowie seine BeschĂ€ftigung mit der Jugendbewegung und dem Volkshochschulwesen veranlassten ihn, sich der PĂ€dagogik zu widmen. Er wurde in der Folge zu einem der bekanntesten Vertreter der ReformpĂ€dagogik und Geisteswissenschaftlichen PĂ€dagogik. Nohl arbeitete an der Etablierung der PĂ€dagogik als eigenstĂ€ndiger Wissenschaft und der BegrĂŒndung der SozialpĂ€dagogik. Im Jahre 1937 wurde er aus dem Dienst entlassen, nahm aber 1945 seine TĂ€tigkeit wieder auf. Nohl war Professor fĂŒr PĂ€dagogik an der UniversitĂ€t Göttingen, Mitherausgeber der Zeitschrift Die Erziehung sowie GrĂŒnder und Herausgeber der Zeitschrift Die Sammlung. Er verfasste mehrere Werke zur Ăsthetik, zur pĂ€dagogischen Anthropologie und zur PĂ€dagogik, wobei Die PĂ€dagogische Bewegung in Deutschland und ihre Theorie als sein pĂ€dagogisches Hauptwerk gilt.
Contents
âą Leben und Werk
âą Jena
âą Erster Weltkrieg
âą Ehrungen
âą Schriften
âą Literatur
âą Siehe auch
âą Weblinks
âą Anmerkungen
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Leben und Werk
Herman Nohl stammte aus einer bĂŒrgerlichen Familie, die wĂ€hrend seiner gesamten Kindheit und Jugend in einer Wohnung auf dem GelĂ€nde des Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster lebte. Sein Vater Hermann Nohl war Gymnasiallehrer. Seine Mutter Gabriele Nohl (geb. Doepke) verstarb bereits 1882. Herman Nohl hatte insgesamt vier Geschwister, zwei (Johannescite-ref-1[1] und Ella) aus der ersten und zwei (Lotte und Hilde) aus der zweiten Ehe seines Vaters mit Elise (geb. Simon). Auf dem Internat lernte Nohl Eduard Spranger kennen.
Im Sommersemester 1898 studierte Nohl Medizin in Berlin, wechselte aber noch im Wintersemester 1898 zu den Geisteswissenschaften. Er befasste sich mit Geschichte, Philosophie und Germanistik und hörte unter anderem bei Friedrich Paulsen. Paulsen bot Nohl an, nach dem Studium als Lehrer nach Davos zu gehen, aber Nohl hatte 1901 Kontakt zu Wilhelm Dilthey aufgenommen, zu dem er eine feste Arbeitsbeziehung aufbaute. 1902 entschied sich Nohl, eine Dissertation ĂŒber Sokrates zu schreiben. Auf Diltheys und Paulsens Empfehlung hin wurde ihm dazu das JĂŒngken-Stipendium gewĂ€hrt, was ihn finanziell unabhĂ€ngig vom Vater machte. Im August 1904 stellte Nohl seine Dissertation mit dem Titel Sokrates und die Ethik fertig. Nohls erste wissenschaftliche Arbeit war die Zusammenstellung und Ordnung von Hegels Theologischen Jugendschriften nach den Handschriften der Königlichen Bibliothek in Berlin, die 1907 gedruckt wurden.
1905 heiratete Herman Nohl die Pianistin Bertha Oser aus Wien (1878â1936), eine SchĂŒlerin Clara Schumanns und Cousine Ludwig Wittgensteins. Diese Heirat sicherte Nohls weitere finanzielle UnabhĂ€ngigkeit.
Jena
Durch die Empfehlung Diltheys an Rudolf Eucken siedelte die Familie Nohl im Herbst 1907 nach Jena ĂŒber, wo Herman Nohl 1908 mit seiner Arbeit ĂŒber Die Weltanschauungen der Malerei habilitiert wurde. Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges verbrachte Nohl seine Zeit in Jena und stellte verschiedene wissenschaftliche Arbeiten fertig. In dieser Zeit kam Nohl auch mit der Jugendbewegung in Kontakt. Er schloss Freundschaft mit Eugen Diederichs und lernte das Landerziehungsheim Gustav Wynekens in Wickersdorf kennen. Einige seiner Studenten waren in der Jugendbewegung aktiv, die fĂŒr die Entwicklung seiner PĂ€dagogik bedeutend war.cite-ref-2[2]
Herman Nohl und die Jugendbewegung
Seine ersten Erfahrungen mit der deutschen Jugendbewegung beschrieb Herman Nohl in seinem 1935 veröffentlichten Buch Die pĂ€dagogische Bewegung in Deutschland und ihre Theorie in einem eigenen Kapitel. Darin sah er diese Bewegung als herausragend an, da sie das VerhĂ€ltnis der PĂ€dagogik und der Generationen untereinander verĂ€nderte und auf sich selbst erzieherisch wirkte. Herman Nohl fasste die Jugendbewegung als Teil einer ĂŒber 150 Jahre anhaltenden âDeutschen Bewegungâ zusammen, zu der auch die Zeit des Sturm und Drang und der Romantik gehöre. Es handele sich dabei um eine wiederkehrende Epoche, âwo die jungen KrĂ€fte unseres Volkes um einen neuen Gehalt des Lebens rangenâ.cite-ref-bewegung-12-3-0[3] Diese Bewegung suche âdie neue Einheit eines höheren geistigen Lebens, die schlieĂlich zum metaphysischen Grunde unseres Daseins wurzelt [âŠ] und die toten Formen der Kultur wieder belebt und von innen neu gestaltetâ.cite-ref-bewegung-12-3-1[3] Herman Nohl sah Parallelen zwischen dem jungen Herder, dem jungen Goethe und der Jugendbewegung, wie zum Beispiel âdas GefĂŒhl der Veraltung der vorangehenden Generation, die Forderung einer neuen Jugend, Natur, Kunst und Religion als die drei befreienden MĂ€chte, ein neues Menschtum, das doch nicht zu trennen ist von einem originalen deutschen Volkstum, in dem zugleich die GegensĂ€tze zwischen den StĂ€nden und Konfessionen aufgehoben sind, die Deutschland zerreiĂen.â Als Hauptmerkmale der Bewegung fĂŒhrte Nohl âdie Eigenbedeutung des Jungseins [âŠ], die Blickrichtung auf Gegenwart und Zukunft [âŠ] und zu innerst einen neuen Glauben an die Natur des Menschenâ an. Nohl war ein naturverbundener Mensch, was zu den Idealen der Jugendbewegung passte. Auch seine eigenen Kinder waren im Wandervogel aktiv und unternahmen regelmĂ€Ăig Wanderfahrten.
Erste Gedanken zu einem spezifisch erzieherischen VerhĂ€ltnis entwickelte Nohl schon 1914 in dem Aufsatz Das VerhĂ€ltnis der Generationen in der PĂ€dagogik, der als Antwort auf den Anspruch der Jugendbewegung verstanden wird, dass die Jugend sich selbst organisieren und fĂŒhren könne.cite-ref-4[4] FĂŒr Nohl blieb, trotz des Eigenrechtes des Kindes und des Jugendlichen, ein erzieherisch relevantes VerhĂ€ltnis zwischen den Generationen erforderlich.
âIn dem VerhĂ€ltnis der beiden Generationen zueinander [ist] die eigentliche Grundlage der pĂ€dagogischen Arbeit gelegen, weil nicht was sie lehrt, sondern eben diese reale VerhĂ€ltnis selber ihr tiefster Gehalt und ihre letzte Bedingung ist.â
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Herman Nohl â
PÀdagogische AufsÀtze
Erster Weltkrieg
Im Sommer 1915 wurde Herman Nohl als Landsturmmann zum MilitĂ€r einberufen und in einer Kaserne in Weimar stationiert. Er verbrachte die Kriegszeit als Teil der Besatzungsarmee in Gent, wobei ihm aufgrund einer Knieverletzung und seiner Kurzsichtigkeit hauptsĂ€chlich Verwaltungsaufgaben ĂŒbertragen wurden. Die auch bei ihm anfĂ€nglich vorhandene Kriegsbegeisterung und Ăberzeugung der RechtmĂ€Ăigkeit des Krieges schlug im Verlauf des Krieges und nach dem Tod mehrerer Freunde um. Wie unsinnig und widersprĂŒchlich dieser Krieg war, wurde ihm bewusst, wĂ€hrend er sich mit belgischen Freunden traf, wĂ€hrend sich die Soldaten beider LĂ€nder unweit an der Front gegenseitig töteten.
Im November 1918 kehrte Nohl nach Jena zurĂŒck. Aufgrund seiner GesprĂ€che mit Menschen aus dem Volk widmete er sich nun der VolkspĂ€dagogik und wurde 1919 GrĂŒndungsmitglied der demokratischen Volkshochschule in ThĂŒringen.
Göttingen und die Relative Autonomie der PÀdagogik
Im Sommer 1919 wurde Herman Nohl auf Betreiben seines Freundes Georg Misch dessen Nachfolger an der UniversitĂ€t Göttingen auf einem auĂerordentlichen Lehrstuhl fĂŒr praktische Philosophie mit besonderer BerĂŒcksichtigung der PĂ€dagogik. Am 8. Mai 1922 wurde er ordentlicher Professor fĂŒr PĂ€dagogik. Er blieb bis zu seiner zwangsweisen Entlassung aus dem Staatsdienst 1937 in Göttingen.
Nohl baute seine PÀdagogik auf dem Begriff der Kunde auf, einem Begriff des vorwissenschaftlichen Wissens. Danach stellt Erziehung eine Lebenswirklichkeit dar, die schon immer gegeben war. Die Praxis der Erziehung ist also Àlter als die wissenschaftliche Reflexion derselben und besitzt demnach eine eigene Wertigkeit. Denn auch die Erziehungserfahrung ist das Ergebnis einer möglicherweise unbewussten, aber jeweils ganz bestimmten Fragestellung.
Nohls PĂ€dagogik orientierte sich an der Gesamtheit der pĂ€dagogischen Erscheinungen. Er schloss sich der 1925 von seinem SchĂŒler Curt Bondy gegrĂŒndeten Gilde Soziale Arbeit an und grĂŒndete mit Aloys Fischer, Wilhelm Flitner, Theodor Litt und Eduard Spranger die Zeitschrift Die Erziehung. Monatsschrift fĂŒr den Zusammenhang von Kultur und Erziehung in Wissenschaft und Leben, welche die Vertreter einer geisteswissenschaftlich orientierten PĂ€dagogik reprĂ€sentierte. Nohl wirkte an der Konzeption der 1926 in PreuĂen reformierten PĂ€dagogischen Akademien mit und gab ab 1928 gemeinsam mit Ludwig Pallat das fĂŒnfbĂ€ndige Handbuch der PĂ€dagogik heraus. Die Verbindung zur Praxis suchte Nohl 1929 durch die GrĂŒndung eines Heims in Lippoldsberg, das dem pĂ€dagogischen Seminar in Göttingen angegliedert war. Dort fĂŒhrte er in pĂ€dagogischen Seminaren didaktische Kurse fĂŒr Lehrer durch und verband theoretische Erkenntnisse mit der pĂ€dagogischen Praxis.
In die Diskussionen um die Schulreform von 1927 mischte sich Nohl ein und formulierte das Postulat der ârelativen Autonomieâ der Erziehung als Abgrenzung von politischen HerrschaftsansprĂŒchen. Die Erziehung leitet sich demnach in erster Linie aus der Erziehungswirklichkeit ab, die Nohl als Ausgangspunkt fĂŒr eine allgemeingĂŒltige Theorie der Bildung diente.cite-ref-6[6] Grundlage seines Bildungsbegriffs war Diltheys Konzept, dass Bildung als eine âplanmĂ€Ăige TĂ€tigkeit, durch welche Erwachsene das Seelenleben von Heranwachsenden zu bilden suchenâcite-ref-7[7] verstanden werden soll. Die BegrĂŒndung der Autonomie der PĂ€dagogik lag nach Nohl in der âTatsache der Erziehungswirklichkeit als eines sinnvollen Ganzenâ. Die pĂ€dagogische Idee bestimme den Sinn jener Wirklichkeit, und damit sei zugleich die SelbstĂ€ndigkeit der Erziehung und ihre Grenze zu den anderen Bereichen der Gesellschaft bestimmt.cite-ref-8[8] Die PĂ€dagogik solle also von ihrem Standpunkt aus ökonomische, religiöse oder politische Interessen beurteilen und gegebenenfalls abweisen und nicht sich selbst diesen Interessen unterordnen.
Im Jahr 1931 legte Nohl den Plan einer ânational-pĂ€dagogischen Organisation im Rahmen der Osthilfeâ vor. Weitere VortrĂ€ge aus den Jahren 1931 und 1932, die 1933 als Landbewegung, Osthilfe und die Aufgabe der PĂ€dagogik veröffentlicht wurden, betonten das Nationale in der PĂ€dagogik.
Der PĂ€dagogische Bezug
Den konkreten Begriff des PĂ€dagogischen Bezuges benutzte Herman Nohl erstmals in den SozialpĂ€dagogischen VortrĂ€gen aus den Jahren 1924 und 1925. In dem 1924 gehaltenen Vortrag Die PĂ€dagogik der Verwahrlosten nannte er den PĂ€dagogischen Bezug, neben Anlage und Milieu, als mögliche Ursache fĂŒr Verwahrlosung.cite-ref-9[9] Er forderte 1925 zu einer unbedingten Seelenverbundenheit mit dem Jugendlichen in der Reifezeit auf:
âDiese Seelenverbundenheit bleibt einem aber nur, wenn man den pĂ€dagogischen Bezug zur rechten Zeit immer wieder gemÀà der Entwicklung des Kindes umgestaltet, dem Geltungswillen des Jugendlichen und seinem Verlangen nach SelbstĂ€ndigkeit Rechnung trĂ€gt und seine neue Geistigkeit mit der Kost nĂ€hrt, die sie verlangt.â
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Herman Nohl â
Jugendwohlfahrt. SozialpÀdagogische VortrÀge
Er sah in der Gewinnung eines pĂ€dagogischen Bezuges die Voraussetzung fĂŒr ein pĂ€dagogisches VerhĂ€ltnis ĂŒberhaupt.cite-ref-colla-347f-11-0[11] Nach Nohl war die Beziehung zwischen Zögling und Erzieher eine Gemeinschaft, in der beide aufeinander angewiesen sind:
âGrundlage der Erziehung ist die Bildungsgemeinschaft zwischen dem Erzieher und dem Zögling mit seinem Bildungswillen.â
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Herman Nohl â
Die Theorie der Bildung
Wie bei Dilthey bildete auch fĂŒr Nohl das VerhĂ€ltnis eines erwachsenen Menschen zu einem jĂŒngeren Menschen die Grundlage fĂŒr erzieherisches Handeln. Auf diese Weise wird Erziehung nicht mehr nur in asymmetrischen VerhĂ€ltnissen, sondern auch als eine persönliche, von Sympathie getragene Wahl gedacht.cite-ref-colla-347f-11-1[11] Nach Nohl waren nicht die AnsprĂŒche der Gesellschaft, sondern die Befindlichkeiten und LernbedĂŒrftigkeiten des Heranwachsenden selbst der Ausgangspunkt der Erziehung. Dabei sollte von den Schwierigkeiten ausgegangen werden, welche das Kind hat, und nicht von denen, die es dem Erzieher oder den Eltern macht.cite-ref-13[13] Der Erzieher soll aus seiner Rolle des rein professionell Interessierten heraustreten und seine Aufgabe mit Leidenschaft fĂŒllen:
âDie Grundlage der Erziehung ist also das leidenschaftliche VerhĂ€ltnis eines reifen Menschen zu einem werdenden Menschen, und zwar um seiner selbst willen, dass er zu seinem Leben und seiner Form komme. Dieses erzieherische VerhĂ€ltnis baut sich auf auf einer instinktiven Grundlage, die in den natĂŒrlichen LebensbezĂŒgen der Menschen und ihrer Geschlechtlichkeit verwurzelt ist.â
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Herman Nohl â
Die Theorie der Bildung
Daraus lassen sich folgende Punkte ableiten, die fĂŒr den pĂ€dagogischen Bezug nach Nohl maĂgeblich sind:
⹠Das VerhÀltnis hat eine emotionale Komponente (Leidenschaft).
⹠Der pÀdagogische Bezug geht grundsÀtzlich von unterschiedlichen Entwicklungsniveaus aus, was vom Erzieher Reife verlangt (VerhÀltnis eines reifen Menschen zu einem werdenden Menschen).
⹠Erzieherisches Handeln leitet sich nicht aus externen Zielen und Zwecken ab, sondern orientiert sich primÀr am Zögling (Um seiner selbst willen).
Dabei wehrte sich Nohl gegen eine sexuelle Wertung dieses LiebesverhĂ€ltnisses von Erzieher und Zögling. Es sollte vielmehr eine Leidenschaft fĂŒr die Talente des Zöglings werden und somit viel mehr als das sexuelle Moment.cite-ref-handbuch-23-15-0[15] Er plĂ€dierte fĂŒr eine Form von platonischer Liebe oder pĂ€dagogischem Eros, der das Ziel hat, die Potenziale des Heranwachsenden hervorzulocken, seine IndividualitĂ€t wahrzunehmen, diese zu fördern und gleichzeitig sicherzustellen, dass er gesellschaftsfĂ€hig bleibt.
âDie wahre Liebe des Lehrers ist die hebende Liebe und nicht die begehrende [âŠ] Die pĂ€dagogische Liebe zum Kind ist die Liebe zu seinem Ideal [âŠ] So fordert die pĂ€dagogische Liebe EinfĂŒhlung in das Kind und seine Anlagen, in die Möglichkeiten seiner Bildsamkeit, immer im Hinblick auf sein vollendetes Leben.â
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Herman Nohl â
Die Theorie der Bildung
FĂŒr Nohl lag dabei der Schwerpunkt auf dem Aspekt um seiner selbst willen, also dass der Erzieher nicht AusfĂŒhrender der Interessen Dritter beziehungsweise der Gesellschaft ist. Nicht die AnsprĂŒche der Gesellschaft, sondern die Befindlichkeiten und LernbedĂŒrftigkeiten des Heranwachsenden selbst sollten der Ausgangspunkt erzieherischer TĂ€tigkeit sein, und die Erziehung ist demnach âentscheidend dadurch charakterisiert, daĂ sie ihren Ausgangspunkt unbedingt im Zögling hat, das heiĂt, daĂ sie sich nicht als Vollzugsbeamten irgendwelcher objektiven MĂ€chte dem Zögling gegenĂŒber fĂŒhltâ.cite-ref-16[16] Die Fundierung der pĂ€dagogischen Beziehung war fĂŒr Nohl die pĂ€dagogische Liebe nach dem Vorbild der Mutter- und Vaterliebe, die von ihrem instinktiven Verhalten gelöst werden sollte. Nohl verstand hebende Liebe als ein geistiges Verhalten eigener Art, das sich auf die höhere Form des werdenden Menschen richtet.cite-ref-17[17] Nach Nohl wird die sogenannte pĂ€dagogische Gemeinschaft getragen âvon zwei MĂ€chten: Liebe und AutoritĂ€t, oder vom Kinde aus gesehen: Liebe und Gehorsamâ.cite-ref-18[18] Erziehung als Beziehung wie Nohl sie verstand, wird hergestellt, indem der Erzieher sich durch Kenntnisse und EinfĂŒhlung die Gunst des Zöglings erwirbt. Die AutoritĂ€t des Erziehers sollte sich aus den personalen Eigenschaften des Erziehers entwickeln. Dies wird einerseits durch Zuwendung und Eros, andererseits durch die WertschĂ€tzung von Leistungen erreicht, wobei erzieherisches Handeln den Charakter eines Wagnisses besitzt, also auch scheitern kann.cite-ref-19[19]
Auch wenn nach Nohl die PĂ€dagogik einzig im Dienst des Kindes stand, sollte dieses nicht bloĂ Selbstzweck, sondern auch den objektiven Gehalten und Zielen verpflichtet sein.cite-ref-20[20] Die Erziehung realisiert sich nach Nohl nicht in der bloĂen Anpassung des Zöglings an gesellschaftliche Rahmenbedingungen, sondern vielmehr im Anpassen solcher Anliegen an den Zögling. Im Ergebnis kommen die gesellschaftliche und die individuelle Perspektive zum Tragen, jedoch immer mit Blick auf den Zögling. Der pĂ€dagogische Bezug versteht sich an dieser Stelle als Anwalt des Kindes.
Im Handeln des Erziehers sollten Gegenwart und Zukunft miteinander verbunden werden. ZukĂŒnftige Möglichkeiten und daraus abgeleitete Ziele dĂŒrften dabei jedoch keinesfalls die ErfĂŒllung gegenwĂ€rtiger Anliegen und BedĂŒrfnisse verhindern. Nohl sah vielmehr in jeder Lebensstufe, ja in jedem Augenblick des Kindes einen Eigenwert, âder nicht bloĂ der Zukunft geopfert werden darf, sondern nach seiner selbstĂ€ndigen ErfĂŒllung verlangtâ.cite-ref-21[21]
âDie Grundeinstellung, mit der der PĂ€dagoge dem Kinde gegenĂŒbersteht, ist also eine eigentĂŒmliche Mischung von realistischem und idealem Sehen, die sich ergibt aus der Einsicht in die Zweiseitigkeit im Wesen des Menschen.â
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Herman Nohl â
Charakter und Schicksal. Eine pÀdagogische Menschenkunde
Nach Nohl sollte an die Stelle des unbedingten Gehorsams und des Brechens des Eigenwillens des Zöglings SelbststĂ€ndigkeit und AktivitĂ€t treten, die in sittlicher Autonomie gipfelt.cite-ref-23[23] Der pĂ€dagogische Bezug stellt also kein einseitig vom Erzieher auf den Zögling hin ausgerichtetes BeeinflussungsverhĂ€ltnis dar, sondern bedingt vielmehr Wechselwirkungen.cite-ref-giesecke-226-24-0[24] Nohl sprach von einer modernen und aktiven PĂ€dagogik, die ihr GegenĂŒber nicht mehr als bloĂ passiv aufnehmendes Objekt erzieherischer Handlungen und MaĂnahmen sieht.cite-ref-25[25] Dabei hat der Erzieher einen gewissen Vorsprung vor dem Zögling, auf dem auch seine AutoritĂ€t beruht. Der Zögling andererseits bringt sich als unverwechselbare Persönlichkeit und seine SpontaneitĂ€t in diese Beziehung ein sowie seine noch unentdeckten kĂŒnftigen Möglichkeiten, die mittels des pĂ€dagogischen Bezuges entdeckt und gefördert werden sollen.cite-ref-giesecke-226-24-1[24]
Dabei dĂŒrfe aber nicht vergessen werden, dass eine solche Beziehung nicht zu erzwingen ist, da dabei âirrationale Momente wirksam sind, wie Sympathie und Antipathieâ, die weder der Erzieher noch der Zögling beeinflussen könne. Daher soll der Erzieher ânicht gekrĂ€nkt sein oder es gar den Zögling entgelten lassen, wenn ihm der Bezug nicht gelingtâ.cite-ref-30jahre-154-26-0[26] Ein VerhĂ€ltnis, welches auf Freiheit und Freiwilligkeit gegrĂŒndet ist, beinhaltet stets die Möglichkeit des Misslingens, wobei sich die Anerkennung der SubjektivitĂ€t und SouverĂ€nitĂ€t des Zöglings aufzeigen lasse. Nohl sah einen wesentlichen Fortschritt der PĂ€dagogik in der Erkenntnis, dass der Zögling sein Eigenrecht hat und die BerĂŒcksichtigung dessen das pĂ€dagogische Wirken erst möglich mache.cite-ref-27[27] Damit dieses pĂ€dagogische Wirken möglich wird, dĂŒrfe das Misslingen dieses pĂ€dagogischen Bezuges auf Seiten des Erziehers weder zu KrĂ€nkung und schon gar nicht zu VorwĂŒrfen dem Zögling gegenĂŒber fĂŒhren, sondern muss die Bindung zu jemand anderem herbeifĂŒhren, âwenn die Bindung nur ĂŒberhaupt erfolgtâ.cite-ref-30jahre-154-26-1[26]
âDie Erziehung endet da, wo der Mensch mĂŒndig wird, das heiĂt nach Schleiermacher, wenn die jĂŒngere Generation auf selbstĂ€ndige Weise zur ErfĂŒllung der sittlichen Aufgabe mitwirkend der Ă€lteren Generation gleichsteht, die PĂ€dagogik hat also das Ziel sich selbst ĂŒberflĂŒssig zu machen und zur Selbsterziehung zu werden.â
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Herman Nohl â
Die Theorie der Bildung
Der pĂ€dagogische Bezug ist also nicht zeitlos gĂŒltig, sondern ein Sachverhalt des historischen Wandels pĂ€dagogischer VerhĂ€ltnisse oder Meinungen.cite-ref-29[29] Die Elemente wie AutoritĂ€t, Gehorsam, Vertrauen sind also keine festen GröĂen, sondern immer wieder neu zwischen den Generationen auszuhandeln und inhaltlich zu bestimmen. Auch der pĂ€dagogische Bezug beinhaltet von Anfang an die Tendenz zu seiner Trennung.cite-ref-30[30] Mit jedem Entwicklungsfortschritt des Zöglings streben beide Seiten, Erzieher wie Zögling, die Auflösung des pĂ€dagogischen Bezuges an. Wenn auch jede Erziehung auf SelbstĂ€ndigkeit hin ausgerichtet ist, so bleibt doch das grundsĂ€tzliche VerhĂ€ltnis zwischen den Generationen erhalten. PĂ€dagogen als AnwĂ€lte des Kindes, nach Nohl, mĂŒssten die Forderungen der Gesellschaft umformen, aber ohne diese Forderungen aufzugeben.
â[W]as immer an AnsprĂŒchen aus der objektiven Kultur und den sozialen BezĂŒgen an das Kind herantreten mag, es muĂ sich eine Umformung gefallen lassen, die aus der Frage hervorgeht: welchen Sinn bekommt diese Forderung im Zusammenhang des Lebens dieses Kindes fĂŒr seinen Aufbau und die Steigerung seiner KrĂ€fte und welche Mittel hat dieses Kind, um sie zu bewĂ€ltigen?â
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Herman Nohl â
Die pÀdagogische Bewegung in Deutschland und ihre Theorie
Diese Umformung solle also so gestaltet sein, dass die FĂ€higkeiten des Kindes gesteigert werden. Die Anforderungen der Gesellschaft sollen aus den SinnzusammenhĂ€ngen und den Möglichkeiten des Kindes heraus betrachtet werden. Die PĂ€dagogik soll demnach eine Balance zwischen dem subjektiven Leben des Zöglings und den Anforderungen der objektiven Kultur darstellen. UnpĂ€dagogisch wĂŒrde es demnach dort werden, wo der Erzieher sich einseitig nur fĂŒr das subjektive Leben des Zöglings oder fĂŒr die objektive Kultur entscheidet.
Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
Zwei Töchter Herman Nohls emigrierten in der Zeit des Nationalsozialismus, da ihren EhemĂ€nnern die Anstellung an deutschen UniversitĂ€ten verwehrt wurde. Den einzigen Sohn schickten die Eltern zu Kurt Hahn nach Schottland, damit er in einer besseren politischen AtmosphĂ€re aufwachsen konnte. Auch Herman Nohls Ehefrau wollte aufgrund der politischen Situation auswandern. Viele von Nohls SchĂŒlern wanderten ebenfalls ins Ausland aus, nachdem sie aufgrund ihrer pĂ€dagogischen TĂ€tigkeit entlassen worden waren.cite-ref-32[32]
Ohne diese Entwicklungen vorauszusehen, begrĂŒĂte Nohl zunĂ€chst die âMachtergreifungâ als eine Möglichkeit, seine pĂ€dagogischen Ideale zu verwirklichen: âvieles von dem, um das die pĂ€dagogische Bewegung im Verein mit Jugendbewegung und Volkshochschulbewegung seit Kriegsende gerungen hat, ist plötzlich in greifbare NĂ€he gerĂŒckt. Die politische Macht hat mit einem Schlag die Ă€uĂere Einheit des Willens verwirklicht, die die elementare Voraussetzung auch der nationalen Erziehung ist.âcite-ref-33[33]
Schon frĂŒher waren Nohls Schriften geprĂ€gt von völkischem Gedankengut. So forderte er eine âNationalpĂ€dagogikâ, die der besonderen politischen Situation Deutschlands Rechnung tragen solle.cite-ref-34[34] In VortrĂ€gen zur âOsthilfeâ formulierte Nohl Gedanken, wie sie sich auch in der Erziehung im Nationalsozialismus wiederfanden: Mit der Ostbesiedelung solle eine Entwicklung eingeleitet werden, âohne [die] ein Volk allmĂ€hlich sein Blut verliert, die unsern Binnenmarkt steigert, neuen Lebensraum fĂŒr arbeitslose Menschen gibt und nicht zuletzt unsere nationale Stellung im Osten festigtâ.cite-ref-35[35] Er schrieb, âdaĂ sich hier im Osten unser deutsches Schicksal entscheidet. Dieser Osten ist nicht bloĂ im besonderen MaĂe âdas Landâ, sondern der Osten ist wieder Kampfplatz der Geschichte geworden.âcite-ref-36[36] Wie er in seinen Vorlesungen im Wintersemester 1933/34 an der Göttinger UniversitĂ€t mit dem Titel: Die Grundlagen der nationalen Erziehung ausdrĂŒckte, sollte es in diesem Kampf um die âAbwehr minderwertiger Keime gehenâ. Die von Nohl vorgetragenen Ideen zur OstpĂ€dagogik enthielten auch Elemente, die an die Blut-und-Boden-Ideologie erinnerten und die teilweise von den Nationalsozialisten spĂ€ter in ihren Erziehungsprogrammen umgesetzt werden sollten.cite-ref-37[37] Auch im Frauenbild, welches Nohl in diesem Zusammenhang formulierte, konnte man spĂ€ter Parallelen zu dem im Nationalsozialismus identifizieren. So sprach er von einer âinneren Bewegung im weiblichen Daseinâ, die ein âneues Selbstbewusstsein von der Funktion der Frau in der Kulturâ entwickle, das sich âin Abkehr von der alten Frauenemanzipation wieder auf ihre schaffenden KrĂ€fte in der Familie und im Hause grĂŒnden will âŠâcite-ref-38[38]
In seiner 1938 erschienenen Schrift Charakter und Schicksal, die 1947 und 1967 neu aufgelegt wurde, schrieb er unter anderem auch Folgendes:
âDie entscheidende Ursache fĂŒr die Rassebildung, d. h. die Wandlung der Anlagen selbst, ist nicht die Mutation, sondern die Auslese. Hier allein können auch Eugenik und PĂ€dagogik einsetzen. Solche Auslese verlangt aber zugleich, wie der bekannte Rassenforscher F. Lenz auf der Naturforscherversammlung in Stuttgart (1938) sagte, ein geistiges Klima, worin Menschen von Einsicht, Initiative und LeistungsfĂ€higkeit gedeihen.â
â
Herman Nohl â
Charakter und Schicksal
Im April 1937 wurde Herman Nohl allerdings als UniversitĂ€tsprofessor entlassen, âin allen Ehren und bei vollem Gehaltâ.cite-ref-40[40] Die GrĂŒnde sind unklar. Vermutlich liegen sie darin, dass Herman Nohls Frau Berta zur Mutter eine Wittgenstein hatte und die Cousine von Ludwig Wittgenstein war, also HalbjĂŒdin. In der NS-Hochschullehrerkartei wird er als förderndes Mitglied der SS gefĂŒhrt.cite-ref-41[41]
Im MĂ€rz 1943 wurde der damals 64-JĂ€hrige zur Fabrikarbeit eingezogen, die bis zum Jahresende andauerte. Das Kriegsende erlebte er im Lippoldsberger Landheim.
Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde es Herman Nohl von der britischen Besatzungsbehörde erlaubt, in verschiedenen pĂ€dagogischen Bereichen beim Wiederaufbau mitzuhelfen. So arbeitete er unter anderem an der möglichst schnellen Wiedereröffnung der Schulen und war zwischenzeitlich Stadtschulrat in Göttingen. Im August 1945 wirkte er an den âMarienauer LehrplĂ€nenâ zum Neuaufbau des Schulwesens mit. Auch die Wiedereröffnung der UniversitĂ€t Göttingen war eines seiner Hauptziele; bereits am 17. September 1945 nahm sie wieder ihren Dienst auf. Herman Nohl wurde nicht nur wieder zum Professor ernannt, sondern er wurde auch Dekan seines Fachbereiches. Er war Ansprechpartner fĂŒr viele Personen, die aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu nationalsozialistischen Organisationen Schwierigkeiten bei der Entnazifizierung hatten, und verhalf manchem mit seinem Einfluss zu einer gĂŒnstigeren Einstufung. 1947 wurde er auf eigenen Wunsch emeritiert. Zu seinen SchĂŒlern gehörte der in Göttingen 1949 promoviertecite-ref-42[42] Erziehungswissenschaftler Leonhard Froese.
Im Jahr 1945 grĂŒndete Nohl auch das Institut fĂŒr Erziehung und Unterricht. Des Weiteren war er Herausgeber der Zeitschrift Die Sammlung. Zeitschrift fĂŒr Kultur und Erziehung (1945â1960; Nachfolge: Neue Sammlung). Auf diesem Wege hatte er wesentlichen Einfluss auf die NachkriegspĂ€dagogik. In den letzten Jahren seines Lebens war Herman Nohl hĂ€ufig krank. Er starb am 27. September 1960 in seinem Haus am Hohen Weg (seit 1964 Hermann-Föge-Wegcite-ref-0-43-0[43]) im Göttinger Ostviertel. Das Grabmal fĂŒr Herman Nohl auf dem Stadtfriedhof Göttingen (am Friedhofsteich) ist eine schlichte Kalksteinstele.cite-ref-44[44]
Ehrungen
âą In seinem ehemaligen Wirkungsort Göttingen gibt und gab es besonders viele Ehrungen Nohls: Am 28. Juni 1953 wurde er zum EhrenbĂŒrger der Stadt ernannt.cite-ref-45[45] An Nohls ehemaligem Wohnhaus im Ostviertel Hermann-Föge-Weg 4 hĂ€ngt seit 1979 eine Göttinger Gedenktafel.cite-ref-46[46] Im Göttinger Ortsteil Weende gibt es seit 1969 eine âNohlstraĂeâ.cite-ref-0-43-1[43] Seit 1959 trĂ€gt in der Göttinger SĂŒdstadt (Immanuel-Kant-StraĂe 44) die vom Architekten Diez Brandi entworfene Grundschule den Namen âHerman-Nohl-Schuleâ.cite-ref-47[47] 2025 wurde auf Antrag der Schule selbst deren Umbenennung politisch diskutiert.cite-ref-48[48] Zur BegrĂŒndung wurde angefĂŒhrt, Nohls âSchriften seien von völkischem Gedankengut geprĂ€gt, u. a. von der Ideologie von Blut und Boden. Auch das Frauenbild von Herman Nohl passe nicht mehr in die heutige Zeit und zeige Parallelen zum Nationalsozialismus auf. Des Weiteren soll Herman Nohl in der Hochschullehrerkartei der Georg-August-UniversitĂ€t Göttingen als Mitglied der Schutzstaffel (SS) und der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) gefĂŒhrt worden sein.âcite-ref-1-49-0[49]cite-ref-50[50] Die BegrĂŒndung zur Verurteilung Nohls wurde wissenschaftlich als âsehr fragwĂŒrdigâcite-ref-51[51] kritisiert, da ihr keine ausreichenden Quellennachweise zugrunde lĂ€gen. Gleichwohl stimmte der Rat der Stadt Göttingen im Mai 2025 einstimmig fĂŒr die Umbenennung in die neutrale Bezeichnung âGrundschule SĂŒdstadtâ.cite-ref-52[52]cite-ref-1-49-1[49]
âą In OsnabrĂŒck ist eine Förderschule mit dem Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung nach ihm benannt worden.cite-ref-53[53]
âą In Hildesheim ist eine berufsbildende Schule mit dem Schwerpunkt Pflege und Gesundheit nach ihm benannt.cite-ref-54[54]
âą In Berlin trĂ€gt die deutsch-italienische Europaschule in Britz den Namen âHerman-Nohl-Schuleâ.
âą In Kirchheimbolanden trĂ€gt die private Heimförderschule HeilpĂ€dagogium Schillerhain, den Namen âHerman-Nohl-Schuleâ.
âą In Lippoldsberg gab es 1960â2012 das Landheim âNohl-Hausâ, das Hermann Nohl schon 1929 erworben und dem Göttinger PĂ€dagogischen Seminar zur VerfĂŒgung gestellt hatte.cite-ref-55[55]cite-ref-56[56]
Schriften
âą Sokrates und die Ethik. TĂŒbingen/Leipzig 1904.
âą Die Weltanschauungen der Malerei. Jena 1908.
⹠PÀdagogische und politische AufsÀtze. Jena 1919.
âą Stil und Weltanschauung. Jena 1920.
âą Jugendwohlfahrt. Leipzig 1927.
âą Die Ă€sthetische Wirklichkeit: eine EinfĂŒhrung. Frankfurt am Main 1935 (2. Auflage 1954).
⹠Die pÀdagogische Bewegung in Deutschland und ihre Theorie. 1935 (online bei Google Books).
âą EinfĂŒhrung in die Philosophie. 1935 (9. A. Frankfurt am Main 1998).
⹠Charakter und Schicksal. Eine pÀdagogische Menschenkunde, 1938 (3. verm. Auflage. 1947, wieder Frankfurt am Main 1967).
âą Die sittlichen Grunderfahrungen. Eine EinfĂŒhrung in die Ethik. 1939 (3. Auflage. Frankfurt am Main 1949).
âą PĂ€dagogik aus dreiĂig Jahren. Frankfurt am Main 1949.
âą Friedrich Schiller. Frankfurt am Main 1954.
⹠Erziehergestalten. 1958 (3. A. Göttingen 1965).
âą Die deutsche Bewegung: Vorlesungen und AufsĂ€tze zur Geistesgeschichte von 1770â1830. (Hrsg. Otto Friedrich Bollnow, Frithjof Rodi). Göttingen 1970.
âą Das historische BewuĂtsein. (Hrsg. Erika Hoffmann, Rudolf Joerden). Göttingen 1979.
âą Hrsg. mit Ludwig Pallat: Handbuch der PĂ€dagogik. 5 BĂ€nde, Langensalza 1928â33 (10. Auflage, Frankfurt am Main 1988; online).
âą Walter Thys (Hrsg.): Ein Landsturmmann im Himmel. Flandern und der Erste Weltkrieg in den Briefen von H.N. an seine Frau. Leipzig 2005.
âą Herman Nohls Schriften und Artikel in der NS-Zeit. Dokumente 1933â1945. Goethe-UniversitĂ€t, Frankfurt am Main 2008.
Literatur
âą JĂŒrg Blickenstorfer: PĂ€dagogik in der Krise. Hermeneutische Studie, mit Schwerpunkt Nohl, Spranger, Litt zur Zeit der Weimarer Republik. Klinkhardt, Rieden 1998, ISBN 3-7815-0934-6.
âą Elisabeth Blochmann: Herman Nohl in der pĂ€dagogischen Bewegung seiner Zeit 1879â1960. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1969.
âą Karl Dienst: Herman Nohl. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 6, Bautz, Herzberg 1993, ISBN 3-88309-044-1, Sp. 991â993.
âą Peter Dudek: Ein Leben im Schatten. Johannes und Herman Nohl: Zwei deutsche Karrieren im Kontrast. Klinkhardt, Heilbrunn 2004, ISBN 3-7815-1374-2.
⹠Michael Gran: Das VerhÀltnis der PÀdagogik Herman Nohls zum Nationalsozialismus. Eine Rekonstruktion ihrer politischen Gehalte. Kovac, Hamburg 2005, ISBN 3-8300-1857-6.
âą Michael Hoch: Zur Bedeutung des âPĂ€dagogischen Bezugesâ von Herman Nohl fĂŒr die IdentitĂ€tsbildung von Jugendlichen in der Postmoderne. Eine erziehungsphilosophische Reflexion. Ergon, WĂŒrzburg 2005, ISBN 3-89913-429-X.
âą Dorle Klika: Herman Nohl. Sein âPĂ€dagogischer Bezugâ in Theorie, Biographie und Handlungspraxis. Böhlau, Köln 2000, ISBN 3-412-10799-9.
âą Damian Miller: Herman Nohls âTheorieâ des pĂ€dagogischen Bezugs. Eine Werkanalyse (= Explorationen. 33). Peter Lang, Bern 2002, ISBN 3-906767-51-5.
âą Wolfgang Klafki, Johanna-Luise Brockmann: Geisteswissenschaftliche PĂ€dagogik und Nationalsozialismus. Herman Nohl und seine âGöttinger Schuleâ 1932â1937. Beltz, Weinheim 2002.
âą Kai Arne Linnemann: Die Sammlung der Mitte und die Wandlung des BĂŒrgers. In: Manfred Hettling, Bernd Ulrich (Hrsg.): BĂŒrgertum nach 1945. Hamburger Edition, Hamburg 2005, ISBN 3-936096-50-3, S. 185â220.
âą Erich Weniger: Worte des Dankes an Herman Nohl. In: Die Sammlung, Jg. 15, 10. Heft, Oktober 1960, S. 476â478. (Nachruf)
âą Eva Matthes: Nohl, Herman. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 19. Duncker & Humblot, Berlin 1999, ISBN 3-428-00200-8, S. 323â324 (deutsche-biographie.de).
Siehe auch
Weblinks
âą Literatur von und ĂŒber Herman Nohl im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
âą Otto Friedrich Bollnow: Herman Nohl zum GedĂ€chtnis. (PDF-Datei; 89 kB). In: PĂ€dagogische ArbeitsblĂ€tter zur Fortbildung fĂŒr Lehrer und Erzieher. 12. Jg., Dezember 1960, Heft a, S. 337â346.
⹠Nachlass in der NiedersÀchsischen Staats- und UniversitÀtsbibliothek Göttingen
âą Digitalisate einiger Werke Nohls bei archive.org
âą Forschungsbericht: âHerman Nohl und die NS-Zeitâ von Benjamin Ortmeyer (2008)
⹠Grab von Nohls Ehefrau Bertha Nohl (geb. Oser) im Oser-Familiengrab in Bad Vöslau
Anmerkungen
cite-note-11. â Siehe dazu besonders: Peter Dudek: Ein Leben im Schatten. Johannes und Hermann Nohl â zwei deutsche Karrieren im Kontrast.
cite-note-22. â Vgl. Blickenstorfer: PĂ€dagogik in der Krise. S. 27.
cite-note-bewegung-12-33. â Nohl: Die pĂ€dagogische Bewegung in Deutschland und ihre Theorie. S. 12.
cite-note-44. â Giesecke: Die pĂ€dagogische Beziehung. PĂ€dagogische ProfessionalitĂ€t und die Emanzipation des Kindes. S. 220.
cite-note-51. Nohl: PÀdagogische AufsÀtze. S. 112.
cite-note-66. â Karl-Christoph Lingelbach: Erziehung und Erziehungstheorien im nationalsozialistischen Deutschland. Frankfurt am Main 1987, S. 34 f.
cite-note-77. â Zit. nach Uhle: Wilhelm Dithey. S. 69.
cite-note-88. â Nohl: Die pĂ€dagogische Bewegung in Deutschland und ihre Theorie. S. 119.
cite-note-99. â Vgl. Nohl: Jugendwohlfahrt. SozialpĂ€dagogische VortrĂ€ge. S. 102.
cite-note-102. Vgl. Nohl: Jugendwohlfahrt. SozialpÀdagogische VortrÀge. S. 52.
cite-note-colla-347f-1111. â Vgl. Colla et al.: Handbuch Heimerziehung und Pflegekinderwesen in Europa. S. 347f.
cite-note-123. Nohl in: Handbuch der PĂ€dagogik. Bd. 1, S. 21.
cite-note-1313. â Vgl. Colla et al.: Handbuch Heimerziehung und Pflegekinderwesen in Europa. S. 348.
cite-note-144. Nohl in: Handbuch der PĂ€dagogik. Bd. 1, S. 22.
cite-note-handbuch-23-1515. â Nohl in: Handbuch der PĂ€dagogik. Bd. 1, S. 23.
cite-note-1616. â Nohl: PĂ€dagogik aus dreiĂig Jahren. S. 152.
cite-note-1717. â Vgl. Colla et al.: Handbuch Heimerziehung und Pflegekinderwesen in Europa. S. 349.
cite-note-1818. â Nohl in: Handbuch der PĂ€dagogik. Bd. 1, S. 25.
cite-note-1919. â Vgl. Colla et al.: Handbuch Heimerziehung und Pflegekinderwesen in Europa. S. 350.
cite-note-2020. â Nohl: Die pĂ€dagogische Bewegung in Deutschland und ihre Theorie. S. 128.
cite-note-2121. â Nohl: PĂ€dagogik aus dreiĂig Jahren. S. 152.
cite-note-225. Nohl: Charakter und Schicksal. Eine pÀdagogische Menschenkunde. S. 16.
cite-note-2323. â Vgl. Nohl: PĂ€dagogik aus dreiĂig Jahren. S. 114.
cite-note-giesecke-226-2424. â Vgl. Giesecke: Die pĂ€dagogische Beziehung. PĂ€dagogische ProfessionalitĂ€t und die Emanzipation des Kindes. S. 226.
cite-note-2525. â Nohl: PĂ€dagogik aus dreiĂig Jahren. S. 157.
cite-note-30jahre-154-2626. â Vgl. Nohl: PĂ€dagogik aus dreiĂig Jahren. S. 154.
cite-note-2727. â Vgl. Nohl: PĂ€dagogische AufsĂ€tze. S. 113.
cite-note-286. Nohl: Handbuch der PĂ€dagogik. S. 21.
cite-note-2929. â Klafki: Das pĂ€dagogische VerhĂ€ltnis. In: Funk-Kolleg Erziehungswissenschaft. S. 61.
cite-note-3030. â Nohl: PĂ€dagogische AufsĂ€tze. S. 120.
cite-note-317. Nohl: Die pÀdagogische Bewegung in Deutschland und ihre Theorie. S. 127.
cite-note-3232. â Karl-Christoph Lingelbach: Erziehung und Erziehungstheorien im nationalsozialistischen Deutschland. Frankfurt am Main 1987, S. 157.
cite-note-3333. â Herman Nohl: Landbewegung, Osthilfe und die Aufgabe der PĂ€dagogik. Quelle & Meyer, Leipzig 1933, S. 95.
cite-note-3434. â JĂŒrgen Oelkers, Tobias RĂŒlcker: Politische ReformpĂ€dagogik. Lang, Bern 1998.
cite-note-3535. â Herman Nohl: Landbewegung, Osthilfe und die Aufgabe der PĂ€dagogik. Quelle & Meyer, Leipzig 1933, S. 43.
cite-note-3636. â Herman Nohl: Landbewegung, Osthilfe und die Aufgabe der PĂ€dagogik. Quelle & Meyer, Leipzig 1933, S. 84.
cite-note-3737. â Hans-Christian Harten: De-Kulturalisierung und Germanisierung. Die nationalsozialistische Rassen- und Erziehungspolitik in Polen 1939â1945. Campus, Frankfurt am Main 1996, S. 54 ff.
cite-note-3838. â Herman Nohl: Landbewegung, Osthilfe und die Aufgabe der PĂ€dagogik. Quelle & Meyer, Leipzig 1933, S. 41.
cite-note-398. Nohl: Charakter und Schicksal. S. 163.
cite-note-4040. â Aus einem Brief der ReformpĂ€dagogin und Schulleiterin Lina Hilger, die mit Nohl seit den 1920er Jahren befreundet war. Sie wurde bereits 1933 aus dem Dienst entfernt, durch glĂŒckliche UmstĂ€nde ebenfalls unter Beibehaltung ihrer Pension, aber ohne ehrenvolle Entlassung; Margot Pottlitzer-Strauss: Lina Hilger. Ein Lebensbild. Bad Kreuznach 1961, S. 103.
cite-note-4141. â http://institutsgeschichte-ife.uni-goettingen.de/1920/01/01/252/
cite-note-4242. â Froese, Leonhard. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Whoâs who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, LĂŒbeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 342.
cite-note-0-4343. â Gerd Tamke, Rainer Driever: Göttinger StraĂennamen (= Veröffentlichung des Stadtarchivs Göttingen, 2). 3. neu ĂŒberarbeitete, wesentlich erweiterte Auflage, Göttingen 2012. â Digitalisat (PDF, 2,9 MB) auf stadtarchiv.goettingen.de, abgerufen am 16. Oktober 2025 (ohne SeitenzĂ€hlung, PDF-Seite 157 f.)
cite-note-4444. â Das Grab befindet sich in Abteilung 64. Quelle: Jens-Uwe Brinkmann (Text), Kaspar Seiffer (Fotos): Der Göttinger Stadtfriedhof. Ein Rundgang. Hrsg. Fremdenverkehrsverein Göttingen e. V. und Göttinger Verschönerungsverein, Göttinger Tageblatt, Göttingen 1994, ISBN 3-924781-26-5, S. 87, Nr. 68. Ein Abteilungsplan ist hier unter Stadtfriedhof Göttingen abrufbar.
cite-note-4545. â EhrenbĂŒrger/innen der Stadt Göttingen. In: stadtarchiv.goettingen.de. Abgerufen am 9. Juni 2025.
cite-note-4646. â Siegfried SchĂŒtz, Walter Nissen: Göttinger Gedenktafeln. Ein biografischer Wegweiser. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2016, ISBN 978-3-525-30081-7, S. 171 f.
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cite-note-4848. â Britta Bielefeld: Herman-Nohl-schule möchte âGrundschule SĂŒdstadtâ heiĂen. In: Göttinger Tageblatt, 8. Mai 2025, S. 9.
cite-note-1-4949. â Herman-Nohl Schule wird umbenannt. In: radio21.de. 19. Mai 2025, abgerufen am 9. Juni 2025.
cite-note-5050. â Beschlussvorlage/sonstige Vorlage - FB40/0054/25: Namensgebung fĂŒr die "Herman-Nohl-Schule" (fĂŒr Stadtratssitzung am 16. Mai 2025), auf goettingen.de, abgerufen am 9. Mai 2025.
cite-note-5151. â Michael Brakemeier: Wie nah stand der PĂ€dagoge Herman Nohl dem Nationalsozialismus? In: Göttinger Tageblatt, 16. Mai 2025, S. 9. â Zu Wort kommt vor allem Klaus-Peter Horn, Professor fĂŒr Allgemeine und Historische Erziehungswissenschaften der UniversitĂ€t Göttingen.
cite-note-5252. â NĂ€he zum Nationalsozialismus: Aus Herman-Nohl-Schule Göttingen wird Grundschule SĂŒdstadt. In: goettinger-tageblatt.de. 17. Mai 2025, abgerufen am 9. Juni 2025.
cite-note-5353. â Herman-Nohl-Schule â Förderschule emotionale & soziale Entwicklung. In: hns-os.de. 4. April 2025, abgerufen am 9. Juni 2025.
cite-note-5454. â Namensgeber â Herman-Nohl-Schule. In: herman-nohl-schule.de. Abgerufen am 9. Juni 2025.
cite-note-5555. â Institutsgeschichte: Herman Nohl â Institut fĂŒr Erziehungswissenschaft. 1. Januar 1920, abgerufen am 9. Juni 2025.
cite-note-5656. â Gruppenhaus Weserbergland - Herberge Klosterkirche Lippoldsberg - Geschichte - mittelalterliches GĂ€stehaus - Nohlhaus - Landheim. Abgerufen am 9. Juni 2025.